23 Tage, mehr als 3000 km und ein Leben unter dem Sternenhimmel. Dies ist die wohl kürzeste und beste Beschreibung unseres Trips nach Neuseeland. Wir reisten von Christchurch zum Milford Sound, die Westcoast hoch in den Abel-Tasman-Nationalpark über Rotorua bis nach Auckland. Was man dabei so alles erleben kann, könnt ihr in den folgenden Zeilen lesen. Es war einfach unbeschreiblich schön, so viel kann man vorab verraten.
Doch wie bei jeder Reise steht als erstes die Anreise auf dem Plan. In sehr langen 32 Stunden ging es von Hannover über Frankfurt und Hongkong nach Christchurch. Nach etlichen Drinks im Flug oder der Lounge in China, landeten wir am frühen Morgen auf der Südinsel von Neuseeland. Als die organisatorischen Sachen erledigt waren, sammelten wir noch meine Eltern am Flughafen ein, um ein wenig die Stadt zu erkunden. Sichtlich erschrocken konnte man die Auswirkungen des schweren Erdbebens von 2011 noch erstaunlich deutlich sehen. Dennoch besticht Christchurch durch viel Kunst (vor allem Streetart) und eine angenehme Ruhe.​​​​​​​
Am folgenden Morgen machten wir uns nun zu fünft auf den Weg und unser Abenteuer begann. Wir folgten der einspurigen Landstraße Richtung Süden und campierten bei Dauerregen in Glenavy. Auch diverse Startschwierigkeiten am anderen Ende der Welt konnten unsere positive Stimmung nicht trüben. Denn jeden Tag konnte man schließlich immer noch mit einem großen Steak und einem kalten Craft-Bier retten. Die Landschaft an der Ostküste sieht unserer Meinung sehr Englisch aus. Bis zu unserer Weiterfahrt nach Queenstown säumten vor allem große Farmen die Landstraßen.
Auf dem Weg nach Queenstown sollte man egal bei welchem Wetter auf jeden Fall einen Halt in Omarama einlegen. In den Hot Tubs dort kann man die schöne Landschaft am besten genießen. Anschließend hat man in Cromwell am Lake Dunstan gut Wein oder getrocknete Früchte zum Mittag zu sich nehmen. Im Anschluss folgt kurz vor dem Tagesziel an der Brücke über den Kawarau River die Möglichkeit sich den ältesten kommerziellen Bungee-Sprung anzuschauen, bevor man Queenstown erreicht und auf den touristischen Boden der Tatsachen geholt wird. Nach all der Ruhe und Gelassenheit wundert man sich über die plötzlichen Massen an Touristen im Ort.
Mit dem Boot TSS Earnslaw setzten wir über nach Walter Peak und erkundeten die Umgebung mit einer geführten E-Moped-Tour – Was eine grandiose Erfahrung. Am Ende gab was sogar ein kleines Picknick, bevor wir mit Boot wieder nach Queenstown übersetzten. Im Anschluss wanderten wir zum Sonnenuntergang hoch zur Skyline. Als Abendessen durfte einer der landesweit bekannten Burger von Fergburger natürlich nicht fehlen – mehr geht einfach nicht.
Da ein Tagesausflug zum Milford Sound in unseren Augen von Queenstown einfach zu weit ist, entschlossen wir uns dazu unser Basiscamp in Te Anau aufzuschlagen. Noch am gleichen Tag machten wir eine kleinere Wanderung auf dem Routeburn Key Summit Track. Der Ausblick über die wunderschöne Landschaft Neuseelands war einmalig. Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Halt am Mirror Lake, bevor wir den restlichen Abend in Te Anau ausklingen ließen.
Am darauffolgenden Morgen folgte dann der Besuch des berühmten Milford Sounds. Wie alle Touristen buchten wir eine Bootstour und schipperten den Sound entlang. Nach wenigen Minuten hat man bereits einen guten Eindruck bekommen, jedoch kommt man die restliche Zeit trotzdem nicht mehr aus dem Staunen raus – Wie beeindruckend Natur doch sein kann!
Durch die Fahrt war es am Ende doch ein sehr langer Tag und zur Stärkung gönnten wir uns wie so oft einige Stücken des hervorragenden neuseeländischen Rindfleisches.
Was folgt auf Natur? Richtig, noch mehr Natur. Von Te Anau fuhren wir den ganzen langen Weg bis nach Wanaka. Dabei nahmen wir die waghalsige und steile “Abkürzung” über das Skigebiet Cardrona. Wobei natürlich absolut nicht an Skifahren zu denken war an diesem warmen und sonnigen Tag mit strahlend blauem Himmel. Von dort ging es direkt hinab bis nach Wanaka. Doch anstatt uns direkt wieder häuslich einzurichten, wobei damit hier ein Zelt gemeint ist, fuhren wir am Westufer des Lake Wanaka entlang bis in den Mount Aspiring National Park. Nach etlichen Kilometern “Dirt Road” und einige Furten erreichten wir den Parkplatz am Rob Roy Glacier Trail Head. In der glühenden Mittagshitze packten wir unser Equipment und machten uns auf Richtung Roy Rob Gletscher. Am Abend spielten wir im Park von Wanaka noch ein bisschen Frisbee, bevor wir völlig erledigt auf unsere Isomatte fielen.
Nachdem wir die letzten Tage das Land eigentlich nur in strahlender Sonne erkundeten, sollte sich dies nun etwas ändern. Von Wanaka brachen wir auf Richtung tasmanische See und Westküste. Noch am Lake Wanaka zogen dunkle Wolken auf und alsbald öffneten sich die Pforten des Himmels. Es regnete Bindfäden. Nichtsdestotrotz machten wir noch auf der Passüberfahrt einen kurzen Stopp bei den Blue Pools ehe wir die lange Abfahrt bis Haast antraten. Aufgrund des schlechten Wetters fielen die Stationen Fox Glacier und Franz Joseph Glacier buchstäblich ins Wasser. Deswegen fuhren wir direkt weiter bis nach Hokitika, die Stadt die berühmt wir die Bearbeitung der neuseeländischen Jade ist. Immerhin die Glow Worm Höhle konnte noch als kleines Highlight des Tages auftrumpfen.
Von Hokitika fuhren wir über Greymouth zu der nächsten touristischen Attraktion, den Pancake Rocks. Auch wenn es nur “ein paar Steine” sind, so muss man echt zugeben, dass es ein interessantes und beeindruckendes Naturerlebnis ist. Im Anschluss machten wir noch einen kleinen Spaziergang zu einer Robbenkolonie, bevor wir weiter bis nach Murchison fuhren. Der Campingplatz dort war wirklich ein absolutes Highlight – direkt am Fluss “Buller” und meiner einer großen Veranda, wo alle Gäste gemeinsam kochen konnten.
Das nächste Ziel unserer Reise war das kleine Küstendorf Kaiteriteri am Rande des Abel Tasman Park. Noch am Tag der Ankunft lieh ich mir ein ordentliches Mountainbike und erkundete allein den örtlichen Trailbike, welcher ordentlich Spaß und Schweißperlen bereitete. Währenddessen genossen die anderen die Ruhe und das strahlend blaue Meer. Nach dem Sport sprang ich dann auch noch in die doch recht frischen Fluten. Zum Abendessen gab es am Ende noch selbstgemachte Burger und einen kleinen Verdauungsspaziergang am Strand.
Abel Tasman National Park. Am Tag zuvor buchten wir noch einen Tagesausflug in den Nationalpark. Das Boot legte direkt am Strand von Kaiteriteri am und brachte uns nach Onetahuti Bay, von wo wir eine kleine Wanderung nach Bark Bay machten. Nach dem vorbereiteten Picknick des Anbieters erhielten wir unsere Einweisung für die Kayaks und machten uns auf den Weg über das Meer entlang der Küste bis nach Anchorage Bay. Von dort ging es mit dem Wassertaxi wieder zurück nach Kaiteriteri, wo wir unseren sportlichen Erfolg bei einigen Bieren an der Strandbar feierten.
Der nächste Morgen brachte uns ins Hippie-Dorf Takaka auf der anderen Seite des Abel-Tasman-Parks. Wir erkundeten ein wenig die netten Shops des kleinen Ortes und besuchten eine Gin Destille, ehe wir zur großen Frischwasserquelle “Te Waikoropupu” fuhren. Anschließend besuchten wir noch eine Lachsfarm und sprangen von Felsen ins dunkle Wasser des Takaka Rivers.
Nach drei ereignisreichen Tagen in Kaiteriteri kam das Leben im Paradies zum Ende und der letzte volle Tag auf der Südinsel Neuseelands stand an. Da die letzte Übernachtung für Momorangi Bay geplant war, war ein Halt in Nelson natürlich ein fester Bestandteil der Route. Wir machten ein paar Besorgungen und kauften einige Andenken, nachdem wir die Stadt erkundet hatten. Unser Campingplatz in Momorangi Bay lag direkt am Wasser, jedoch spielte Wetter am letzten Abend nicht mehr unbedingt mit.
Von Picton nahmen wir die Fähre nach Wellingten und setzten unsere Reise auf der Nordinsel fort, wo wir eine weitere Woche verbringen durften. Nach einem Mittagssnack bei Crab Shack am Queens Wharf, verließen wir die Hauptstadt Neuseelands Richtung Norden. Dabei trennte sich die Reisegruppe, da Nadine die “Tongariro Alpine Crossing” Wanderung machen wollte am nächsten Morgen. Es ist eine der bekanntesten Routen des Landes, welche über ein alpines, vulkanisches und ausgesetztes Gelände führt. In der Nacht zuvor schlugen wir dafür unser Lager in einem Hostel in Ohakune auf.
Während der Wanderung von Nadine fuhr der Rest von uns weiter nach Taupo und machte eine Bootstour zu den Huka Falls, ehe sie am frühen Nachmittag erschöpft aber glücklich am Ziel der Route eingesammelt wurde. Im Anschluss genehmigten wir uns noch ein “Anleger”-Bier direkt am Lake Taupo und spielten eine Runde Golf, wobei es das Ziel war ein “Hole in One” auf eine schwimmende Insel zu schlagen.
Der nächste Halt unserer Reise war Rotorua. Auf dem Weg dorthin konnten wir die geballte Ladung Schwefel der Nordinsel riechen. Nach dem Besuch von “Craters of the Moon”, direkt hinter Taupo, erkundeten wir auf halber Strecke auch noch Wai-o-Tapu. Bei beidem handelt es sich Schwefelquellen und heiße Bäder. Überall stieg Dampf auf und die Steine waren gelb oder rötlich gefärbt. Um diese Erfahrung abzurunden stiegen wir am Abend noch in die Schlammbäder von Hells Gate und badeten in den warmen Quellen.
Bevor wir Rotorua recht spontan früher als geplant verlassen wollten, konnten wir die Tradition und Geschichte des Landes natürlich nicht links liegen lassen. So besuchten wir noch Te Puia. Eine Touristenattraktion, welche die Schwefelgase der Region mit der Maori-Kultur in sich vereint. Unter anderem hat man dort die Möglichkeit sich mit der Kunst der Maori zu beschäftigen. Im Anschluss setzten wir unsere Reise fort bis nach Tauranga und übernachteten direkt am Fuße des Mount Maunganui.
Nach all den Gerüchen der letzten Zeit brauchten wir eine Auszeit. So schlenderten wir entspannt durch den gleichnamigen Ort Mount Maunganui und kehrten in der Brew Bar ein. Dort genossen wir einige entspannte Biere gepaart mit sehr guter Livemusik, während die Sonne langsam unterging.
Bevor es wenige Tage später für uns bereits Richtung Heimat ging, machten wir noch einen weiteren Stopp auf der Halbinsel Coromandel und schlugen unser Lager direkt am „Hot Water Beach“ auf. Noch am gleichen Abend liehen wir uns einen Spaten und spazierten in der Dämmerung zum Strand. Denn es war Ebbe und danke der heißen Quellen unter dem Strand kann man zu dieser Zeit sich seine eigenen heißen Bäder buddeln. Ein weiterer empfehlenswerter Anlaufpunkt ist die Moko Kunstgalerie.
Am nächsten Morgen machten wir einen Ausflug in den Ort Hahei, wo wir unseren einzigen wirklichen Strandtag zelebrierten. Wir badeten im wirklich kristallklaren und hellblauen Meer, ehre wir gegen Abend noch spontan zur Cathedral Cove wanderten.
Bereits am Tag darauf verließen wir die idyllische Natur nun endgültig und fuhren weiter nach Auckland, unserem letzten Punkt der Reise. Wir schlenderten durch die Stadt, aßen Mexikanisch zum Mittag und nahmen einen letzten gemeinsamen Drink im Yachthafen zu uns. Ehe wir uns von meinen Eltern und meiner Schwester verabschiedeten, da sie noch deutlich länger in Neuseeland blieben, und nach einem Dinner zu zweit ins Hostel zurückkehrten.
Die am nächsten Tag beginnenden 32 Stunden Heimreise starteten zunächst sehr entspannt, da wir jeder eine Reihe im Flieger ganz für uns hatten, und entwickelten sich immer weiter ins Negative. Vor allem der sehr lange Flug von Hongkong nach London mit über 13 Stunden raubte uns die letzten Kräfte. Kaum gelandete durften wir dann noch dank der Verspätung zum Anschlussflug wahrlich sprinten. Damit waren dann alle Kraftreserven aufgebraucht und wir landeten völlig ermattet in Hannover.
Unsere Reise nach Neuseeland beinhaltete wirklich alles erdenkliche, was man sich so für drei Wochen vorstellen kann. Vom fehlerhaften Wohnmobil mit vielen nervenaufreibenden Telefonaten über traumhafte Natur bis hin zu karibischen Verhältnissen war wirklich alles dabei. Auch wenn die Reise ans andere Ende der Welt wirklich sehr lang ist, so lohnt es sich doch am Ende definitiv. Wir werden hoffentlich irgendwann wiederkommen, denn es gibt einfach noch so viel mehr zu entdecken in diesem wundervollen Land.
Cheers New Zealand.
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